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Es kommt ein Schiff geladen

von Diverse | CD-Produktion 2018

„Es kommt ein Schiff, geladen“ ist ein adventlicher Choral, der zu den ältesten deutschsprachigen geistlichen Gesängen gehört.

Die heutige Textgestalt ist letztendlich eine Version des 20. Jahrhunderts aus drei Teilen, der Taulerschen (Strophen 1 bis 3) aus dem 14. Jahrhundert, der Sudermannschen (Strophen 5 und 6) sowie der das Rätsellied lösenden Marienstrophe aus dem 17. Jahrhundert.

Aufgrund der ältesten erhaltenen Textquelle, einer vor 1450 in dem Straßburger Dominikanerinnenkloster St. Nicolaus entstandenen Handschrift eines Marienliedes, wird der Text dieses Liedes gern dem Mystiker Johannes Tauler zugeschrieben, der in jenem Kloster verkehrte. Dabei wird auf den angeblich für Tauler charakteristischen Gebrauch des Wortes „enphohet“ (‚empfängt‘) verwiesen.

In typisch mittelalterlicher Allegorese wird in Aufnahme biblischer Motive die schwangere (Maria) mit einem beladenen Schiff verglichen. Aus Taulers Gedankengut geht andererseits hervor, dass das Schiff als Sinnbild des gemuete, der Seele fungiert. In Bewegung gesetzt wird das Schiff durch Segel (= Liebe) und Mast (= Heiliger Geist).

Die älteste Überlieferung der Melodie ist im Andernacher Gesangbuch (1608) enthalten. Das Lied ist dort zweisprachig unter dem Titel „Uns kompt ein Schiff gefahren“ sowie dem lateinischen „En navis institoris“ zu finden.

 

Die Melodie weist eine in älteren Kirchenliedern nur äußerst selten anzutreffende rhythmische Besonderheit auf. Die beiden ersten Zeilen stehen im 6/4-Takt, die beiden letzten im 4/4-Takt. Dieser metrischen Zweiteilung entspricht eine tonale.

Die metrisch-tonale Zweiteilung des Liedes wurde vielfach dahingehend gedeutet, dass sich in ihr die inhaltliche Zweiteilung der ersten drei Strophen widerspiegelt. In der ersten Strophenhälfte wird jeweils eine Metapher vorgestellt, deren geistliche Bedeutung in der zweiten Hälfte erläutert wird. So erscheint etwa in der ersten Hälfte der ersten Strophe das Bild eines vollbeladenen Schiffes, dessen Ladung in der zweiten Strophenhälfte als „Gottes Sohn“ eine übertragene Bedeutung erhält.

(Seite „Es kommt ein Schiff, geladen“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.)

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