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Was wird hier eigentlich gespielt…?!?

von | Jan 3, 2019 | 0 Kommentare

Ein stummes Klavier? Nein! Also, was wird eigentlich hinter dem Kontakt-Formular ganz unten auf der Startseite gespielt? Da geht ja nicht gerade virtuos die Post ab…

Es ist das spontane Resultat einer Freistunde und der Suche nach spielbarer, für Klavier gut gesetzter Filmmusik. Wir hören (und sehen) also im Video Track 08 „American Beauty“ vom Soundtrack zum gleichnamigen Sam-Mendes-Film aus dem Jahr 2000. Geschrieben hat die Musik zum Film der 1955 geborene US-amerikanische Filmkomponist Thomas Montgomery Newman, dessen Familie man als eine (Film-) Musiker-Dynastie im besten Sinne bezeichnen kann.

Der Track ist das wohl wichtigste Leitmotiv des Films. Er begleitet die berühmte „Plastiktüte-im-Wind-Szene“ und fortan im Film nahezu jedes Zusammensein der jugendlichen Protagonisten Ricky und Jane, und er trägt musikalisch den von Ricky formulierten Schlüsselgedanken: Dass unglaublich viel Schönheit und Kraft doch in den alltäglichen einfachen Dingen liegen kann, dass es kaum erträglich sei. Während im familiären Umfeld die gesellschaftliche Fassade nicht nur bröckelt, sondern brutal krachend zusammenstürzt, stützt die Musik in ihrer Einfachheit, Wärme und Leichtigkeit die inselartig anmutende Harmonie und Ruhe der Beziehung zwischen Ricky und Jane im Film.

So, wie die zufälligen, unregelmäßigen Windstöße die Plastiktüte nahezu schwerelos und scheinbar unendlich herumwirbeln wollen, so lässt Thomas Newmans ergreifendes, rein instrumentales Motiv uns die Unabhängigkeit wahrhaftiger Schönheit von Zeit und Raum spüren, und erinnert in Klanglichkeit, Phrasierung und Führung der Stimmen an die ebenso unendlich schwebend-atmende Leichtigkeit der frühen mehrstimmigen Vokalmusik des 12. und 13. Jahrhunderts…

Übrigens, als kleine Anmerkung für speziell Filmtheorie-Interessierte: Der Film „American Beauty“ von Sam Mendes (Drehbuch: Alan Ball) mit der Musik von Thomas M. Newman kann man wohl als meisterhaftes Lehrstück im virtuosen Umgang mit (musikalischen) diegetischen und nicht-diegetischen Elementen sehen und würdigen – die nähere Erläuterung dessen würde aber an dieser Stelle komplett nicht nur den Rahmen, sondern eindeutig auch meine Kompetenz sprengen 😉  Guckst Du hier: Diegetic – NonDiegetic

 

[Text: Yorck Heerhorst | Quellen: Wikipedia; Larissa Kurtz, Sascha Reimold: American Beauty – Eine musikalische Analyse, 2013, Hochschule der Medien Stuttgart]

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